M E L D U N G E N :  Juni bis Dezember 2003

 

11.12.2003   T I R O L
Neues Tiroler Ortsbildschutzgesetz entzweit die Gemüter
INNSBRUCK und LAND TIROL. Anfang Juli hat der Tiroler Landtag das neue Stadtkern- und Ortsbildschutzgesetz beschlossen. Bisher war es oft äußerst mühsam, Geld für die Erhaltung und Revitalisierung historischer Bauten aufzutreiben. Das Denkmalamt kann kaum mehr Zuschüsse gewähren. Die Dorferneuerung, vor einem Jahrzehnt eine attraktive Institution des Landes, ließ einst reichlich Förderungen fließen. "Sie ist jetzt ein Auslaufmodell mit nur mehr einer Million Euro im Budget", stellt Hubert Rauch, der Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes fest. "Mit dem neuen Gesetz ist sichergestellt, dass ab 2004 für Renovierung und Erhaltung von alten Gebäuden 50 Prozent der Kosten vom Land getragen werden." Die Gemeinden können weiters per Antrag Schutzzonen in Ortskernen festlegen. "Trotzdem können in solchen Zonen Baulücken in modernem Stil gefüllt werden. Die Symbiose von Alt und Neu ist sogar erwünscht, nur muss sie optisch ins Gesamtbild passen", meint Rauch. Doch diese Bestimmung entzweit nun die Gemüter. Die höchst umstrittene Renovierung des ehemaligen Gatt-Hauses in der Innsbrucker Altstadt hat nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Das Architektenteam Dieter Mathoi und Jörg Streli haben das Eckhaus Schlossergasse 2 (bzw. Herzog-Friedrich-Strasse 38) vollkommen neu gestaltet. "Lediglich die gotischen Grundmauern, die Gründerzeitfassade und die Eckpartie mit der frei in den Himmel ragenden Mauer haben wir erhalten". So musste u. a. eine Barockdecke ihr Leben lassen. Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz, erklärt Reinhard Rampold vom Denkmalamt, da zu wenig gotische Bausubstanz vorhanden gewesen sei. Fraglich ist für ihn, ob nicht eine sensiblere Planung - er nennt das Cafe Katzung als Vorbild - besser gewesen wäre. Aus Protest gegen das neue Ortsbildschutzgesetz legte jetzt Rainer Graefe vom Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege der TU-Innsbruck den Vorsitz im Sachverständigenbeirat für Ortsbildschutz der Stadt Innsbruck zurück und trat aus dem Beirat aus. Die Neufassung des Gesetzes gäbe, so Prof. Graefe, wesentliche Kriterien und Prinzipien des Ensembleschutzes zugunsten größerer Freiräume der architektonischen Neugestaltung auf. Das ehemalige Erhaltungsgesetz wurde so zu einem Gestaltungsgesetz. Damit dürfte europaweit das erste Ortsbildschutzgesetz vorliegen, welches dem Schutz und der Erhaltung keine Priorität mehr einräumt. Das Denkmalamt und die Universität distanzieren sich von diesem Vorgehen und haben seit langem deutlich gemacht, dass sie diese Aufweichung des Schutzes historischer Ensembles nicht mittragen können. Auch das Denkmalamt sieht unter diesen Voraussetzungen keinen Sinn in einer weiteren Mitarbeit am Stadtkern- u. Ortsbildschutz und wird sich auf die denkmalpflegerischen Aspekte zurückziehen. (Quellen u.a.: Kurier: 23.10. u. 22.08.2003; Kleine Zeitung: 08.07.2003; Krone: 22.08.2003)

Villa Primavesi, Gloriettegasse 14-16, Hietzing, Wien
30.11.2003   W I E N
Villa Primavesi: Bürobau inmitten denkmalgeschütztem Garten?
WIEN XIII. Aufregung herrscht in Wien über die neuen Pläne des Eigentümers, den als "Grünland/Schutzgebiet - Parkschutzgebiet" gewidmete Jugenstilgarten der denkmalgeschützten Villa Skywa-Primavesi in der Gloriettegasse 14-16 mit einem Bürokomplex zu verbauen. Die von Josef Hoffmann 1913 bis 1915 erbaute Villa samt Garten zählt zu einen der wichtigsten Jugendstilbauten in Wien und ist 1994 vom ÖGB mit Hilfe des Altstadterhaltungsfonds und in Absprache mit dem Denkmalamt restauriert worden. 1999 verkaufte der ÖGB an die BAWAG PSK Leasing, nachdem die Villa als Sitz für den Bundespräsidenten in Diskussion stand. Seither steht die in der Pufferzone des UNESCO-Weltkulturerbes Schloß Schönbrunn liegende Villa leer. Der Jugendstilgarten gehört zu den 56 historischen Gärten, die laut neuem Denkmalschutzgesetz unter Schutz gestellt werden sollen. Doch der Jugendstilgarten wurde vom Nachfolger der Familie Primavesi im Jahr 1929 entlang der Gloriettegasse um ein Drittel auf 4.500 Quadratmeter erweitert, weshalb nun in Diskussion steht, wie weit auch diese Teile des Gartens erhaltenswürdig sind. Laut kürzlich erstelltem Gutachen der MA 19 sei "der Garten, insbesondere auch der für eine Bebauung zur Diskusssion stehende westliche Gartenteil als Reminiszenz an die einstigen Landschaftsgärten in seiner heutigen Form unbedingt erhaltenswert." Auch stadträumlich und im Hinblick auf das Villengebäude selbst sei der Garten von hoher Bedeutung. Aus der Sicht des Denkmalamtes steht man jedoch vor dem Problem, dass historische Gärten in Privatbesitz nur mit Zustimmung des Eigentümers unter Denkmalschutz gestellt werden können. So wurde seitens des Bundesdenkmalamtes schon Zustimmung zur Verbauung signalisiert (ein ähnliches Problem bahnt sich beim Garten des Palais Schwarzenberg an). Der städtische Planungsdirektor Arnold Klotz beruhigt jetzt aber: "Eine Umwidmung wird derzeit nicht in Erwägung gezogen." (Quellen u.a.: Krone 07.11., 19.09., 17.u.12.07.2003; Kurier: 22.u.12.07; Der Standard: 23.08.2003).
BÜRGERINITIATIVE VILLA PRIMAVESI UND ENSEMBLE, Unterschriftenliste, Mobil: 0676 / 612 87 76, email: sipho(at)utanet.at.

Palais Attems, Sackstraße 17, Graz Abbruch Kommod-Haus, Burggasse 15, Graz, Foto: 13.10.2003
28.11.2003   S T E I E R M A R K
Kommod-Haus Abbruch: "Wild gewordene Politiker" - Altstadtschützer drängen auf strengeren Schutz
GRAZ. (Pol. Bez. u. Gem.). "Das ist ein Wahnsinn, was da passiert", wettert Gertude Celedin, Vorsitzende der Altstadtsachverständigenkommission (ASVK). Der Abbruch des denkmalgeschützten Kommod-Hauses (Burggasse 15) im Weltkulturerbe Grazer Altstadt im Oktober, dessen Umstände viele offene Fragen aufwarfen und jetzt in einem Sonderausschuss des Grazer Gemeinderates behandelt werden sollen, sei nur der letzte Fall einer Reihe ähnlich umstrittener Hausabbrüche in den vergangenen Jahren. Celedin spricht von "wild gewordenen Politikern" und verweist auf eine lange Liste von Negativbeispielen: Das barocke Hotel "Weiße Rössl" am Lendplatz 37 wurde trotz negativem ASVK-Gutachten abgerissen. Ebenso gegen den Abbruch ausgesprochen aber trotzdem abgebrochen wurden Teile des Palais Trauttmansdorff mit einzigartigem Renaissance-Säulengang sowie das Biedermeierhaus in der Münzgrabengasse 31 (vgl. Denkmal-Seismograph). Mitte November fragte man sich beim Denkmalschutz-Kongress "Erbschaft Altstadt" an der Uni Graz unter der Leitung von Univ-Prof. Johann Konrad Eberlein: "Ist die Altstadt noch zu retten?" Landeskonservator Bouvier konnte seine Sorgenfalten nicht verbergen: Der langsame Verfall des bedeutendsten Barockpalais in Graz (Palais Attems, Sackstraße 17), der drohende Teilabbruch des barocken Altstadthaus Sackstraße 28-30 oder die Verbauung der nicht geschützten Villengärten (z. B. in der Schubertstraße) demonstrieren erschreckend die Ohnmacht des Denkmalschutzes. Vom geplanten Um- und Aufbau des denkmalgeschützten ehem. Kino bzw. Cafe Thalia (erb. 1956 von Rudolf Vorderegger) in der Girardigasse 1, weswegen Graz unter besonders kritischer Beobachtung des UNESCO-Welterbe-Komitees steht, gar nicht zu reden. Die Gesetzeslage öffnet derzeit dem Abriss geschützter alter Häuser Tür und Tor, wenn sie nur lange genug dem Verfall preisgegeben werden. So wurde das denkmalgeschützte Haus Griesplatz 24, dessen Fassade vor Jahren illegal abgeschlagen wurde, "wegen Baufälligkeit" aus dem Denkmalschutz entlassen, nachdem der Wiederherstellungsauftrag verjährt war. Prof. Max Mayr, der die Aktion "Rettet die Grazer Altstadt 1972 initiierte und der sich damals über 100.000 Steirer mit ihrer Unterschrift anschlossen, sieht es ähnlich: "Das Denkmalschutzgesetz gehöre aufgewertet. Dass beim Thalia-Umbau das negative Gutachten der ASVK für dieses Bauvorhaben im Bewilligungsverfahren nicht berücksichtigt wurde, sei symptomatisch, da die Gutachten der ASVK keine Rechtswirksamkeit besitzen." Mayr fordert nach Linzer Vorbild die Einrichtung eines ständigen Gutachter-Beirats, dessen Stellungnahmen verbindlichen Charakter für die Behörden haben. Dann könnte das von Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) vorgeschlagene Frühwarnsystem "Sinn machen", glaubt Mayr. Landeskonservator Bouvier wünscht sich für den Altstadt-Gipfel der Stadtregierung am 20. November die lückenlose Aufklärung, wie es zum Abbruch des Kommod-Hauses kommen konnte und erwartet, dass daraus Lehren gezogen würden. (Fotos: Palais Attems © NDA 14.11.2003, Kommod-Haus © Peter Laukhardt 13.10.2003; Quellen: Kleine Zeitung: 21.,19.,18.u.14.11.2003; Die Presse: 21.u.20.11., 08.10.2003) (Vgl. auch NDA-Bericht vom 03.10.2003)

Sofiensäle, Brandruine, Marxergasse 17, Wien, Foto: 20.11.2003
24.11.2003   W I E N
Hoffnung für Sofiensäle: Denkmalschutz bestätigt - Verwirrung um privaten Investor
WIEN III. Die im August 2001 ausgebrannten Sofiensäle bleiben weiterhin unter Denkmalschutz. Dies hat am 31. Oktober das Bildungsministerium in zweiter Instanz und zum zweiten Mal (!) bestätigt. Der Abbruchantrag seitens der Sofiensäle AG wurde abgelehnt. Die Brandruine muß somit stehenbleiben, auch wenn ein Wiederaufbau rechtlich nicht angeordnet werden kann. Hoffnung scheint es aber trotzdem zu geben, da ein potenter privater Investor, der nicht genannt werden will, ernsthaftes Interesse an der Brandruine bekundet hat. Dies bestätigt auch das Bildungsministerium, darum habe man auch den Bescheid verspätet ausgestellt, da man noch zuwarten wollte bis der Realisierung des Projektes nichts mehr im Wege stünde. Doch nachdem eine Tageszeitung das Geheimnis gelüftet zu haben glaubte, wurde seitens des angeblichen Investors heftig dementiert. Freudig kommentierte hingegen die Bürgerinitiative "Rettet die Sofiensäle" die Denkmalschutz-Entscheidung: "Ein großer Erfolg für den Denkmalschutz, ein Signal für alle, die ihr denkmalgeschütztes Eigentum lieber verfallen lassen," so Sprecher Viktor Zdrachal. Jetzt geht es darum, den seit Frühjahr 2003 rechtsgültigen Bescheid für eine wirkungsvolle Schutzabdeckung notfalls mit Ersatzvornahme umzusetzen. (Foto © NDA 20.11.2003; Quellen: Die Presse: 20.,19.u.18.11.2003; Kurier: 20.,19.u.18.11.2003; Krone 20.11.2003)

Foto: Salzburg, Riedenburger Straße 8, Villa, Foto: 7. August 2003
19.11.2003   S A L Z B U R G
Diskussion um Villen-Abrisse in Salzburg
SALZBURG-STADT (Pol. Bez. u. Gem.). Vermehrte Ansuchen um Abbruch von Villen ortet die Salzburger Stadtverwaltung. Die Politiker sind aufgeschreckt. 1999 gab es schon Diskussionen um den geplanten Abriss des 350 Jahre alten "Pesthauses" in der Riedenburger Straße 7. Erst im Mai dieses Jahres konnte der Abriss einer Ceconi-Villa in der Stauffenstraße 19 (erb. 1892) im letzten Augenblick verhindert werden. Jetzt soll eine Villa in der Riedenburger Straße 8 (erb. 1870) der Spitzhacke zum Opfer fallen, doch die Stadt hat den Erhalt der Villa als unbedingt erforderlich eingestuft. Der Abbruchantrag wurde gestellt, da die Instandhaltung laut Gutachten wirtschaftlich nicht vertretbar sei: Die Sanierung koste 10 bis 20 Prozent mehr als ein Neubau. Der Planungsausschuß lehnte den Abriss ab, doch die Politiker stimmten im Senat mehrheitlich für den Abbruch, wenn auch "schweren Herzens" wie es Bürgermeister Heinz Schaden (SP) formulierte. Im Planungsausschuss der Stadt sollen jetzt Gegenstrategien entwickelt werden. So überlegt man in den Bebauungsplänen ein "Erhaltungsgebot dem Bestande nach" zu verordnen, damit kein anderes Gebäude errichtet werden kann. Ebenso solle die Zumutbarkeit einer Sanierung künftig über einen längeren Zeitraum gerechnet werden. Die Einnahmen aus der Miete sollen einem Kredit mit einer Laufzeit von 20 Jahren gegenübergestellt werden; derzeit sind es nur zehn Jahre. Die Besitzer müssten rechtzeitig für die Instandhaltung sorgen, das Baurecht solle man schärfer vollziehen, um bewußtes Verfallenlassen hintanzuhalten. Einig zeigen sich die Politiker, dass man nur durch Gründung eines Fonds, wie im Fall der erhaltenswürdigen Häuser in den Altstadtschutzzonen (er begleicht die Differenz zwischen zumutbaren und tatsächlichen Sanierungskosten), Abrisse in den historischen Stadtteilen verhindern wird können. (Foto © NDA 7. Aug. 2003; Quellen u.a.: Salzburger Nachrichten, 25.,23.u.10.07., 21.05.2003 )

Foto: Wien, Albertina, Vordach, 11.11.2003
13.11.2003   W I E N
Albertina-Vordach: "Damoklesschwert über Wien"?
WIEN I. Im Frühjahr dieses Jahres wurde die Albertina nach umfangreichen Renovierungen wiedereröffnet, nur das von Hans Hollein geplante Vordach konnte nicht rechtzeitig verwirklicht werden. Im Spätsommer meldete sich Frau Elisabeth Leopold, die Gattin des Kunstsammlers und Museumsdirektors Rudolf Leopold zu Wort und kritisierte das geplante Vordach als "Damoklesschwert über Wien". Die Österreichische Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege schloss sich daraufhin der Aktion von Frau Leopold an und bezeichnete das Vordach als "einen optisch massiven Eingriff in die Hauptansicht der Albertina". Gerade die Sichtbeeinträchtigung auf die Albertina wurde auch bei der Projektsbeurteilung von der Jury als wesentlicher Kritikpunkt hervorgehoben: nämlich "... dass das überdimensionierte Vordach das Erscheinungsbild des Albertinagebäudes empfindlich stört: Es durchschneidet den vertikalen architektonischen Aufbau und verstellt die Sicht auf wesentliche Partien der Fassaden, auch auf den neuen Haupteingang selbst ...". In diesen Tagen wird das Flugdach montiert, das deutlich über die Bastei auf den Albertinaplatz hinaus ragen wird. Auch die Generalkonservatorin des Bundesdenkmalamtes, Frau Dr. Eva-Maria Höhle, äußerte ihre Bedenken anläßlich der Projektpräsentation im Jahr 2001, doch das Denkmalamt kann nur im Sinne des Denkmalschutzgesetzes handeln, und das kenne nur Substanzschutz und keinen umfassenden Umgebungsschutz. Gegen den Widerstand des Bundesdenkmalamtes wurden jedoch im Inneren des Gebäudes Zerstörungen durchgesetzt, nachdem das zuständige Bundesministerium den Denkmalschutzbescheid aufgehoben hatte. So wurde u.a. die Galerie mitsamt den Gewölben abgerissen und die Biedermeier-Möblierung vernichtet. (Foto © NDA 11.11.2003; Quellen: "Krone bunt", 14.09.2003; Presseaussendung der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege vom 16.10.2003; Kurier, 29.10.2003; Der Standard, 17.10.,17.09.,28.08.,14.03.2003; Profil, 10.03.2003; Wiener Zeitung, 22.04.2003)

Foto: Bregenz, Kirchstraße, 18.10.2003
29.10.2003   V O R A R L B E R G
Ensembleschutz für Kirchstraße ?
BREGENZ (Pol. Bez. u. Gem.). Die Kirchstraße in Bregenz, Verbindung zwischen Stadtzentrum und mittelalterlicher Oberstadt, soll unter Ensembelschutz gestellt werden. Renate Madritsch, Vorarlbergs Landeskonservatorin sieht diesen Schritt als Notbremse um drohenden Abbruchen und negativen Veränderungen zuvorzukommen. Wenig gelungene Sanierungen in anderen Teilen der Stadt ließen die Leiterin des Vorarlberger Denkmalamtes zu diesem Schritt bewegen: "Was wir nicht unter Schutz stellen, wird ruiniert.". Die Mehrzahl der 33 Häuser in der Kirchstraße stammt aus dem 18. u. 19. Jahrhundert, einige sind im Kern sogar spätgotisch. Beschlossene Sache sei der Ensembleschutz aber noch nicht, zunächst sollen noch die Bürger gehört werden, heißt es aus dem Bauamt. (Foto © NDA 18.10.2003; Quelle: Der Standard, 28.08.2003)

Foto: Schloß Schönbrunn, Historischer Garten, Hecken, 12.10.2003 Foto: Schloß Schönbrunn, Historischer Garten, Hecken, 12.10.2003
24.10.2003   W I E N
Schönbrunner Heckenstreit
WIEN XIII. Das 1996 im Auftrag des Bundesdenkmalamtes fertiggestellte Parkpflegewerk für Schönbrunn sieht als wichtige gärtnerische Maßnahme die Erneuerung der überalterten Heckenwände des Großen Parterres vor. Darüber waren sich auch alle Beteiligten - Bundesgärten, Denkmalamt und Schloßbetriebsgesellschaft einig. Die Bundesgärten haben daraufhin unverzüglich mit der Aufzucht der geeigneten Heckenpflanzen (Hainbuchen - Carpinus betulus) in der betriebseigenen Baumschule im Augarten begonnen. Doch im Sommer dieses Jahres entbrannte ein Streit über die Rodung aller alten Hecken, denn die Schönbrunn Betriebsgesellschaft wollte im letzten Moment die Zustimmung verweigern: Nur 3-4 % der Bäume am großen Blumenparterre zwischen Schloß und Neptunbrunnen seien wirklich akute Erneuerungsfälle. Die schonendere Variante einer laufenden oder etappenweisen Bestandserneuerung sei nicht gründlich erforscht worden. Darüber hinaus seien zu viele Fragen offen: "Wie hat der exakte historische Zustand im Park wirklich ausgesehen? Welcher Originalzustand soll daher wiederhergestellt werden? Was passiert mit den derzeit in der Hecke "versteckten" Statuen", falls sie tatsächlich frei stehen sollten. Bundesdenkmalamt und Bundesgärten wehren sich gegen die Vorwürfe. Die schonende Erneuerung wurde durchaus diskutiert, heißt es seitens des Denkmalamtes, doch wurde die schließlich aus gartentechnischen Gründen verworfen (die Bäume sind im Wurzelbereich miteinander derartig verwachsen, dass die Entfernung mancher Exemplare den Zusammenbruch von ganzen Abschnitten der Gartenarchitektur bedeuten würde). Auch der Präsidenten des ICOMOS-IFLA Internationalen Komités für historische Gärten und Kulturlandschaften, Dr. Robert de Jong, hatte einen Probeabschnitt (die Lücken in der Hecke werden mit jungen Bäumen aufgefüllt) als nicht gelungen beurteilt. Über das Restaurationsziel habe es immer "eine heftige Diskussion" gegeben. Faktum sei aber, dass das letzte erhaltene verbindliche Konzept die spätbarocke Ausformung von 1780 sei, also jene zurückversetzte Pflanzung, die jetzt wiederhergestellt werden soll. Jedoch sollen auch die späteren Veränderungen Berücksichtigung finden, indem ein gleichzeitige Höherführung der oberen und maximales Vorziehen der vorderen Schnittkante der Hecken in größtmöglicher Annäherung an die Erscheinungsform zur Zeit Kaiser Franz Josefs (um 1900) vorgesehen ist. Bis zuletzt versuchten Künstler, Kulturschaffende und Kunsthistoriker die Schönbrunner Hecken zu retten. 135 Unterschriften wurden von der Kunsthistorikerin Elfriede Iby gesammelt, der Gattin von Schönbrunn Betriebsgesellschafts Direktor Dr. Kippes. Unterschrieben haben etwa Roland Rainer, Manfred Wehdorn, André Heller, Arik Brauer und Christiane Hörbiger. Zu Beginn der Fällarbeiten am 13. Oktober protestierten auch die Wiener Grünen mit Transparenten vor Ort. Nun schreitet die Sanierung der Hecken zügig voran und soll bis Ende November abgeschlossen sein. (Foto © NDA 12.10.2003; Quellen: Österreichischer Kunsthistorikerverband (siehe "Aktuelles" - "Denkmalpflege", dort ausführliche Stellungnahmen des Bundesdenkmalamtes); Schönbrunn Betriebsgesellschaft (Presseaussendung); Der Standard, 15.10., 14.10., 10.10.,07.u.03.10., 06.09., 31.07.; Kurier 18.u.14.10., 08.06.; Die Presse 14.10., 12.u.06.09., 31.07., 10.05.,09.04.2003)

Foto: Kommod-Haus, Burggasse 15, Graz, Juli 2001
03.10.2003   S T E I E R M A R K
Kommod-Haus: Abbruchgegner besetzen Haus - Protestkundgebung
GRAZ (Pol. Bez. u. Gem.) Der seit Monaten schwelende Streit um das "Kommod-Haus" in der Grazer Altstadt ist am Donnerstag (2. Okt.) eskaliert. Überraschend fuhren vor dem noch immer denkmalgeschützten Haus (Burggasse 15) Bagger auf. Spontan besetzten etwa 50 Kommod-Fans - darunter auch KPÖ-Stadtrat Ernst Kaltenegger und die Grüne Sigrid Binder - das denkmalgeschützte Haus, um den plötzlichen Abbruch doch noch zu verhindern. Erst nach Verhandlungen wurde die Besetzung beendet: Der Hauseigentümer, die Wegraz, soll nun zwar den Dachstuhl abtragen dürfen, soll aber für zumindest 48 Stunden die Mauern stehen lassen und Maßnahmen zur Sicherung der im Erdgeschoss bzw. dem Keller befindlichen Lokale "Kommod" und "Triangel" in die Wege leiten. Kaltenegger will das Schicksal des Hauses nicht hinnehmen und ruft mit den Kommod-Pächtern heute, Freitag, 3. Oktober, um 16 Uhr zum Hauptplatz. Da startet ein Protestmarsch zum und für das denkmalgeschützte Haus. Rechtlich ist die Lage verzwickt: Der Denkmalschutz ist zwar weiter aufrecht, doch existiert ein gültiger Abbruchauftrag der Stadt, weil das Gebäude sehr baufällig sein soll. Dem widerspricht Christian Brugger vom Bundesdenkmalamt: "Das Gutachten der Stadt belegt eindeutig, dass keine Gefahr im Verzug ist", "wird das Haus abgerissen, ist das meines Ermessens nach eine strafbare Aktion." Unterzeichnen Sie die Onlinepetition "Rettet das Kommod" (Foto © NDA Juli 2001; Quelle: Kleine Zeitung, Die Presse und ORF-Online, 03.10.2003) (Vgl. auch NDA-Bericht vom 23.11.2002)

Foto: Breitensee, Eisenbrücke, Ignaz Gridl, August 2003 Foto: Breitensee, Eisenbrücke, Ignaz Gridl, August 2003
10.09.2003   N I E D E R Ö S T E R R E I C H
Eiserne Fachwerksbrücke soll gerettet werden
GMÜND (Pol. Bez.) Breitensee (Gem.). Nördlich von Gmünd, kurz vor der tschechischen Grenze, verrostet eine alte Eisenbrücke über die Lainsitz. Für den Verkehr mittlerweile gesperrt, harrt die Brücke in Breitensee einer "Erneuerung", die auch schon beschlossene Sache ist. Noch nicht beschlossen ist, ob sie saniert oder doch abgebrochen und neu errichtet wird. "Eine Sanierung der eisernen Fachwerksbrücke würde ein Vielfaches eines Neubaus kosten. Die Stadt Gmünd wäre nicht in der Lage, die erhöhten Kosten selbst aufzubringen, deshalb tendiere man zur zweiten Variante", so der zuständige Referent der Stadt Gmünd, Ing. Franz Höllrigl. Nun hat der Geschichtslehrer Hubert Martin Prinz, ein "Lainsitz-Fan", der für seine Reportagen über die Lainsitz im Internet bereits bekannt ist (http://lainsitz.prinzeps.com), ein "Baujuwel" in der alten Brücke erkannt und wünscht sich den Erhalt der historischen Eisenbrücke. Dafür hat er sogar eine eigene site im Internet eingerichtet: Notfall: Historische Gridl-Brücke vor Demolierung!. Seinen Recherchen zufolge stammt die Doppelbrücke, die aus einer Eisenfachwerks- und einer Eisenträgerbrücke besteht, aus der k.k.-Eisenkonstruktionswerkstätte Ignaz G. Gridl. Diese Firma erbaute unter anderem 1882 das weltbekannte Palmenhaus in Wien-Schönbrunn oder den 1903 errichteten Mozartsteig in Salzburg. Viele solcher Fachwerksbrücken in Österreich mussten Neubauten weichen, da die geringen Dimensionierungen das heute gesteigerte Verkehrsaufkommen nicht standhielten. Hier in Breitensee gäbe es jetzt die seltene Chance, das Bauwerk am Originalstandort zu erhalten, da die Hauptstraße heute einige hundert Meter flußaufwärts führt. Nun soll das Denkmalamt feststellen, ob es sich bei dieser Brücke wirklich um etwas Besonderes handelt. Hubert Prinz: "Ich kämpfe nicht für diese Brücke, ich werbe für sie. Sie kämpft für sich am besten nämlich selbst: Durch ihre Schönheit ist sie unbezwingbar."
KONTAKT: Mag. Hubert Martin Prinz, Tel.: 01 / 803 26 41, Homepage: Notfall: Historische Gridl-Brücke vor Demolierung!, email: hp(at)prinzeps.com
(Quelle: Homepage "Notfall"; NÖN, 03.09.2003; Der Waldviertler, 03.09.2003).

Foto Lechner-Haus, Kufstein, Juli 2003
05.09.2003   T I R O L
Unterschriften für 250 Jahre altes Lechner-Haus
KUFSTEIN (Pol. Bez. u. Gem.). Über Antrag der Stadtgemeinde Kufstein hat das Bundesdenkmalamt die Schutzwürdigkeit des mehr als 250 Jahre alten Lechnerhauses am Franz-Josef-Platz Nr.12 geprüft. Es handelt sich dabei um eines der ältesten Häuser in Kufstein aus der Mitte des 18. Jh., das noch ein Krüppelwalmdach aufweist. An der Erhaltung besteht "kein öffentliches Interesse", heißt es jetzt im Bescheid des Denkmalamtes. Zu viel wurde u. a. im Inneren schon verändert. Bürgermeister Marschitz ist nicht unglücklich über diese Beurteilung des im Eigentum der Stadt befindlichen Gebäudes: "Das Haus gehört weg, der Stadtpark an dieser Stelle verlängert." Der parteifreie Stadtrat Horst Steiner will das nicht hinnehmen, er hatte schon im Vorjahr Stimmung für den Erhalt gemacht und wollte eine Volksabstimmung durchsetzen, doch scheiterte dies an den dafür nötigen Unterstützungserklärungen. "Fast 600 Leute waren aber meiner Meinung", erklärt Steiner, der nun am 11. und 12. September (Do. u. Fr., 8.30 - 18.30 Uhr) mit einem eigenen Informationsstand vor dem Lechnerhaus Unterschriften für den Erhalt sammeln will. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Hauses soll im Herbst fallen.
KONTAKT: Horst Steiner, email: e.h.steiner(at)kufnet.at, Mobil-Tel.: 0676/876920018
(Quellen u.a.: Tiroler Tageszeitung, 31.07.2003; Dehio 1980; Horst Steiner)
(vgl. NDA-Bericht 23.10.2002)

Fotomontage, 2003
03.09.2003   W I E N
Hotel Sacher: Dachausbau erhitzt die Gemüter der Denkmalschützer
WIEN I. Das Hotel Sacher (Philharmonikerstraße 4 u. 6) neben der Oper will aufstocken. Über der Attikabalustrade der strenghistoristischen Häuser aus den 1870er Jahren sollen 3 Geschosse aufgesetzt werden (es fehlt aber noch die Ausnahmegenehmigung nach dem Paragraf 69 der Wiener Bauordnung für eine "geringfügige Überschreitung" der Bauhöhe). Denkmalschützer sind bestürzt, dass in die Innenstadtsilhouette so massiv eingegriffen wird. So ist man beim Denkmalamt empört - denn kurz bevor das Sacher unter Denkmalschutz gestellt worden wäre, kommt nun der Ausbau. "Das geht weit über das hinaus, was wir genehmigen würden", sagt Landeskonservatorin Barbara Neubauer. "Hinter der Oper, an einem der sensibelsten Orte Wiens ist das einfach zu viel." Unterstützung erhält sie auch von der Österreichischen Gesellschaft für Denkmalpflege, die ein "weiteres trauriges Kapitel in der Zerstörung der Dachlandschaft" befürchtet und daher eine vorübergehende Bausperre für die Wiener Innenstadt fordert. Die ursprünglichen Ausbaupläne des Hotels, die nicht genehmigt wurden, sahen zur Gänze vertikale Fensterflächen und eine Durchlöcherung der Attikabalustrade vor. Gespannt darf man sein, ob der Dachausbau nach der Fertigstellung noch der Fotomontage enstprechen wird, oder ob davon - wie beim Hotel Ambassador geschehen - noch stark abgewichen wird. (Quellen: Der Standard: 29.,28.,27.,26.,23.08 u. 31.07.2003; Kurier, 30.,29.,28.,23.08.2003; Die Presse: 30.,29.,23.,22.08.2003; Krone: 29.08.2003; Presseaussendung Österreichische Gesellschaft für Denkmal- u. Ortsbildpflege, 24.08.2003)

Salzburg, Neue Residenz, Museum Carolino Augusteum, Römerfund, Aug. 2003
23.08.2003   S A L Z B U R G
Aufregung um Sensationsfund aus der Römerzeit
SALZBURG-STADT (Pol. Bez. und Gem.). Im Innenhof der Neuen Residenz, mitten in der Salzburger Altstadt, stießen Archäologen auf einzigartige Reste einer noblen Römervilla. Eine 6,50 m lange und 1,20 bis 1,40 Meter hohe mit Fresken bemalte Mauer aus den Jahren um 100 n. Chr. Die Fresken zeigen farbige, geometrische Muster, die in vergleichbarer Form in Pompeji zu sehen sind. "Nördlich der Alpen gibt es keine ähnlichen Wandbemalungen aus römischer Zeit auf solch einer großen Fläche", schwärmt Archäologe Wilfried Kovacsovics. Doch da die wertvolle Mauer dem Umbau für das Museum Carolino Augusteum im Wege steht, sollte sie zerstört und "nur" die Wandfresken abgenommen werden. "Schweren Herzens" und mit "Tränen in den Augen" stimmte auch Landeskonservator Walter Schlegel zu: "Es bleibt uns nichts anderes übrig. Wir wollen die Umbauten nicht behindern." Danach gingen die Wogen hoch. Viele Salzburger und Denkmalschutz-Experten plädierten für den vollständigen Erhalt der Mauer an ihrem Standort. Maria Ranacher, Gründerin des Österreichischen Restauratorenverbandes, und Martin Kupf, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege, plädieren für eine "Nachdenkpause, um eine neue Lösung zu finden". Eine Krisensitzung am Tag darauf förderte dann aber doch neue Lösungsmöglichkeiten zutage. Nun soll versucht werden, die Fresken nicht von den Resten des römischen Bauwerkes abzunehmen, sondern die Mauer samt den Fresken zu sichern. Diese soll dann möglichst an ihrem originalen Platz situiert werden. (Foto © mr Aug. 2003; Quellen: Salzburger Nachrichten, 19., 20. u. 21. 08; Krone, 19., 20. u. 21.08; Presseaussendung der Österr. Gesellschaft für Denkmal- u. Ortsbildpflege)

02.08.2003   S T E I E R M A R K
"Denkmalamt will Exempel statuieren"
LEOBEN (Pol. Bez.), Vordernberg (Gem.). Die Äußere Wegscheid-Hube (Steyrerhube) in Vordernberg, 2 km nördlich des Ortskernes gelegen, ist eines der ältesten Gebäude in Vordernberg. Wohnhaus und dazugehöriges Wirtschaftsgebäude stehen unter Denkmalschutz. Doch das Wohnhaus (Hauptstraße 48) zeigt einen traurigen Zustand, eine ganze Mauerecke fehlt. Der Eigentümer, ein Vordernberger Holzunternehmer, würde das Haus am liebsten abreissen: "Ich brauche das Wohnhaus nicht. Es ist in einem schlechten Zustand. Schon gefährlich. Der Kamin ist erst kürzlich zusammengebrochen", erklärt er. Mittlerweile ermittelt schon die Staatsanwaltschaft, ob nicht gegen das Denkmalschutzgesetz verstoßen wurde, weil Abrissarbeiten begonnen wurden. Wird er verurteilt, hat er hohe Strafen - bis hin zu den vollen Wiederherstellungskosten - zu tragen. Alois Murnig vom Landeskonservatorat Steiermark: "Das Denkmalamt habe viel unternommen, doch der jetzige Zustand des Gebäudes sei kein Verfall, sondern 'wurde gemacht'." Dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet sei, bedauere er: "Strafmaßnahmen sind nicht unser Weg, nur hier geht es in eine Richtung, wo es nicht mehr anders ging." Grundsätzlich gebe es ein sehr gutes Einvernehmen mit Vordernberg und dem dortigen Bürgermeister, der sich sehr bemühe. (Kleine Zeitung, 27.u.26.04.2003, Führer durch Vordernberg, 1996)

19.07.2003   K Ä R N T E N
Virunum: Acker zu Baugrund gewidmet, obwohl unter Denkmalschutz
KLAGENFURT-LAND (Pol. Bez.), Maria Saal (Gem.). Ein Landwirt will seinem Sohn eine Bauparzelle vermachen, dazu braucht er eine Umwidmung eines Ackers. Kärntens Landeskonservator Ulrich Harb empfahl der Gemeinde, keine Baulandwidmung vorzunehmen, da die betreffenden Äcker (im Bereich des Prunner-Kreuzes) in der Kernzone der ehemaligen römischen Provinzhaupstadt Virunum liegen, und man für die Wissenschaft wertvolle Bodenfunde vermutet. Deswegen wurden die Äcker auch 1989 unter Denkmalschutz gestellt. Der Gemeinderat widmete dennnoch in Bauland um, obwohl auch die Landesplanung das Projekt abgelehnt hatte. Der Bürgermeister von Maria Saal unterstützt den Landwirt und zeigt sich verwundert über den Einwand der Denkmalschützer, da doch genug Zeit zum Handeln gewesen wäre. Manfred Fuchs vom Bundesdenkmalamt erklärt: "Aufgabe des archäologischen Schutzes ist es, Archive zu bewahren." Dass nichts gebaut wird, darf dennoch gehofft werden, da - laut Fuchs - eine Baugenehmigung nur in Absprache mit dem Denkmalamt erteilt werden darf (Parteienstellung im Bauverfahren). Da müsste schon zuerst der Denkmalschutz aufgehoben werden, dies könnte aber nur durch "Intervention" bei der zuständigen Bundesministerin erreicht werden. Für alle Fälle hätte Christa Farka, Leiterin der Abteilung für Bodendenkmale im Bundesdenkmalamt, schon einen Kompromiß-Vorschlag. Das Haus in eine der dort führenden römischen Straßen zu stellen. So würden keine antiken Fundamente beschädigt werden. (Kleine Zeitung, 18.u.08.04.2003; Krone 04.04.2003)

Blick vom Belvedere auf Wien-Mitte (City Tower), 29. April 2003
10.07.2003   W I E N
UNESCO-Weltkulturerbe-Titel gerettet: Hochhausprojekt Wien-Mitte abgesagt
WIEN I u. III. Das seit Jahren heftig umstrittene Hochhausprojekt Wien-Mitte wird in der geplanten Form nun doch nicht verwirklicht. Nur der City Tower (87 Meter) wird fertig gebaut. Dies entschied Bürgermeister Michael Häupl, der zuvor gegen die Wien-Mitte-Kritiker ins Feld gezogen war, im März 2003 dieses Jahres. Das Projekt Wien-Mitte wird neu ausgeschrieben. Somit wird dem Wunsch der UNESCO entsprochen, das ursprünglich bis zu 100 Meter hohe, viertürmige Hochhausprojekt in punkto Höhe und Volumen zu reduzieren. Bei der Jahrestagung des Weltkulturerbe-Komitees Anfang Juli in Paris wurde diese Entscheidung begrüßt. Dem Bedenken des Denkmalbeirates ICOMOS, der in Fertigstellung begriffene City-Tower beeinträchtige die Integrität und Authentizität der Innenstadt, schloß sich das Komitee nicht an. Die Neuausschreibung des Projekts wird als Erfolg der Konvention, ja sogar als "beispielgebend" für ähnlich gelagerte Fälle gewürdigt. Somit bleibt das Prädikat "Weltkulturerbe Wiener Innenstadt", das die Stadt im Dezember 2001 verliehen bekam, sogar ohne Verwarnung erhalten. (vgl. auch Bürgerinitiative Wien-Mitte) (Foto © NDA April 2003; Quelle: Die Presse, 05.u.03.07.2003, 14.,15.u.24.03.2003; APA-OTS-Meldung 23.05.2003)

Schloß und Schloßpark Pottendorf, März 2003 F E R N S E H T I P P       eine NDA-Newsletter-Aussendung
TREFFPUNKT KULTUR :  Mo., 7. Juli, ab 22.30 Uhr (Wh. 2.05 Uhr) ORF 2
Wildwuchs: Wie historische Parks verwittern
Ein Lokalaugenschein in Oberösterreich (Gmunden), Niederösterreich (Pottendorf) und Wien (Hietzing): Die Optik war unschön - ganz im Gegensatz zur Jugendstilarchitektur Josef Hoffmanns. Als sich Bundespräsident Klestil vor einigen Jahren nach einem neuen Wohnsitz umsah, stach ihm die weltberühmte Villa Primavesi im Wiener Nobelbezirk Hietzing ins Auge. Doch der geplante Umzug platzte, als die Besitzverhältnisse zu Tage kamen: Der ÖGB hatte in den fünfziger Jahren den jüdischen Vorbesitzern das Baujuwel um 50.000 US-Dollar abgekauft. Vorwürfe eines "Arisierungs"-Gebarens wurden laut - und wieder entkräftet. Gras wuchs über die Sache. Sehr viel Gras! Der Jugendstilpark der Villa verwildert zusehends - dabei findet er sich auf einer Liste, die im Jahr 2000 mit der Novelle zum Denkmalschutzgesetz ausgehandelt wurde. Demnach ist auch eine Reihe historischer Park- und Gartenanlagen schützenswert. Auf derselben Liste findet sich auch der Park im niederösterreichischen Pottendorf , der heute einem Urwald gleicht, oder die Gmundener Villa Toskana. Nachdem die Wogen am Traunsee lange hochgingen, wird das Areal nun doch mit einem Hotelkomplex bebaut. "Treffpunkt Kultur" bittet zu einem Lokalaugenschein durch historischen Wildwuchs. (Foto Schloßpark Pottendorf © NDA, März 2003

Schachtanlage Trimmelkam, 2003
30.06.2003   O B E R Ö S T E R R E I C H
Ministerium spricht Machtwort: Altes Kohlebergwerk zum Abriss freigegeben
BRAUNAU (Pol. Bez.), St. Pantaleon (Gem.). Die jahrelangen Auseinandersetzungen um die alte SAKOG-Schachtanlage in Trimmelkam zwischen der Gemeinde St. Pantaleon und dem Bundesdenkmalamt sind entschieden. Die oberste Berufungsbehörde in Sachen Denkmalschutz, das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, hat jetzt grünes Licht für den Abriss der Schachtanlage erteilt. Der Denkmalschutz für die Industrieruine aus den frühen 1950er Jahren, die im Volksmund "Hängebrücke" genannt wird, wurde per Bescheid aufgehoben. Bürgermeister Herbert Huber (SPÖ) kann jetzt aufatmen. Er braucht nun nicht seine Drohung wahrmachen, gegen das Gesetz zu verstoßen und das alte Kohlebergwerk trotz Denkmalschutzes abzureissen. Erst 1997 hatte das Bundesdenkmalamt die europaweit einzigartige Doppelschachtanlage unter Denkmalschutz gestellt, doch der Bürgermeister als Eigentümervertreter (die Schachtanlage gehört der Kommune) strengte ein Denkmalschutzaufhebungsverfahren an, das nun nach dreijährigem Verfahren zu seinem Gunsten ausfiel. Das Ministerium schloss sich damit der Meinung der Gemeinde an, dass der Bauzustand des Objekts, "die Gefahr der Beschädigungen von Sachen und die Verletzung von Personen nicht ausschließen lässt". Ebenso könne die Gemeinde die Kosten für die Absicherung des Geländes von mindestens einer halben Millionen Euro nicht tragen. Ein Gutachten zeige auch den schlechten Erhaltungszustandes der Schachtanlage, sodass der Weiterbestand der Anlage nur durch weitreichende Eingriffe in die Bausubstanz gesichert werden könne. Das Ministerium prüfte natürlich auch das öffentliche Interesse an der Erhaltung der Anlage. Im Gegensatz zum Denkmalamt kam es jedoch zur Ansicht, dass dieses nur aus regionaler Sicht bestehe und dass dem Objekt keine exemplarische Bedeutung zukomme. Das Bundesdenkmalamt hat nun zwei Wochen Zeit, gegen den Bescheid zu berufen. (vgl. auch NDA-Bericht vom 12.04.2002) (Foto © rb; 2003; Quelle: Salzburger Nachrichten, 21.06.2003; Oberösterreichische Nachrichten: 14.05.2003)

Gasthaus Zwei Raben, Mödling, 15.06.2003 Gasthaus Zwei Raben, Mödling, 24.11.2001 Zwei Raben, Mödling, Werbeplakat
19.06.2003   N I E D E R Ö S T E R R E I C H
Teilabriss "Zwei Raben": Verstoß gegen Denkmalschutz vermutet
MÖDLING (Pol. Bez. u. Gem.). Einen Skandal orten die Mödlinger Grünen beim Umbau des Hauses "Zwei Raben" in der Brühler Straße 51. "Der denkmalgeschützte Westflügel wurde einfach abgerissen", ärgert sich Grün-Gemeinderat Gerhard Wannenmacher. Die "Zwei Raben" sind eines der traditionsreichsten Gebäude in Mödling, 1837 im Auftrag von Fürst Liechtenstein an Stelle eines älteren Gasthauses errichtet, für dessen Kapelle Beethoven seine "Mödlinger Tänze" komponiert hat. Nach langen Diskussionen, bei denen es besonders um den Westflügel ging, wurde das gesamte Gebäude schließlich 1997 unter Denkmalschutz gestellt. Immer wieder gab es aber Versuche der Bauherren, den Westtrakt zu Gunsten einer besseren Verwertbarkeit abzureissen: das Denkmalamt hielt aber immer fest, dass beide Seitenflügel untrennbar zum symmetrischen Erscheinungsbild des Gebäudes gehören. Als letzter Kompromiss wurde dem Bauträger zugestanden, den Westtrakt bis auf die Außenfassade zu ersetzen: diese sei jedoch in jedem Fall zu erhalten! Bis Anfang Juni dieses Jahres wurde diese Vorgabe auch eingehalten. Nun ist aber auch diese Mauer, der letzte Rest des Westtrakts "plötzlich eingestürzt"! Bauherr Kurt Graf versteht die Aufregung nicht. "Alle Arbeiten sind mit dem Denkmalamt abgestimmt. Es bestand "Gefahr im Verzug", weil die Mauer kurz vor ihrem Einsturz stand und das habe ich der Denkmalschutz-Beamtin auch gezeigt. Sie hat zugestimmt, dass ein Abbruch notwendig ist", berichtet er. Dem widerspricht die stv. Landeskonservatorin Elisabeth Sackmauer vom Bundesdenkmalamt: "Es gibt keine Genehmigung dafür. Ich habe Graf deutlich gesagt, er soll einen schriftlichen Antrag stellen, was aber nicht passiert ist", stellt sie klar: "Ich bin wirklich entsetzt und enttäuscht, wie er vorgeht. Die Mauer war in einem sehr schlechten Zustand und man hätte über einen Abbruch sprechen können, aber so kann es nicht gehen." Mit der Rechtsabteilung des Hauses werde nun abgeklärt, welche weiteren Schritte unternommen werden können. Seitens der Stadt wurden schon Schritte gesetzt: Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft und eine Baueinstellung für den betroffenen Teil des Gebäudes. Auch die Grünen werden Anzeige erstatten. (Foto © NDA 24.11.2001und Die Grünen 15.06.2003; Quellen u.a.: Presseaussendung "Die Grünen", Kurier 18.06.2003, NÖN 18.06.2003).
 
Schloß Rotenturm, Mai 2002 F E R N S E H T I P P       eine NDA-Newsletter-Aussendung
TREFFPUNKT KULTUR :  Mo., 2. Juni, ab 22.30 Uhr (Wh. 2.05 Uhr) ORF 2
ABRISSKANDIDATEN: Bürger kämpfen für den Denkmalschutz
Österreichs Gemeinden und der Denkmalschutz: Mangelndes Geld, aber auch fehlendes Verständnis sind in vielen Fällen der langsame Tod von historisch wertvoller Bausubstanz. "Treffpunkt Kultur" bekam in den vergangenen Wochen Dutzende Hinweise von Sehern über Abbruchbescheide und verfallende Bausubstanz. Die Redaktion recherchierte. In der niederösterreichischen Gemeinde Ebreichshof verfällt die um 1839 erbaute Spinnereifabrik Schivizhoffen. Fabrik, Herrenhaus und Arbeiterwohnhaus gelten als typischer Industriebau der Biedermeierzeit. In Villach kämpft eine Bürgerinitiative gegen einen geplanten Schildbürgerstreich der Stadt. Die generalsanierte Grubissich-Villa des Wörther-See-Architekten Franz Baumgartner soll einem Neubau weichen. Um den Volkszorn zu besänftigen, soll die Villa an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Im burgenländischen Rotenturm bei Pinkafeld hofft man auf einen Scheich, der das verfallene Schloss (vgl. Foto) in der Gemeinde in Stand setzt. Vergeblich. (vgl. dazu auch die jeweiligen NDA-Berichte: Niederösterreich-Baden; Kärnten-Villach-Stadt; Burgenland-Oberwart)

 
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